Die Entstehung der Bürgerstiftung Lüdinghausen

 

Festveranstaltung zur Übergabe der Urkunde zur Anerkennung der Bürgerstiftung Lüdinghausen am16.01.2014 im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen

Rückblick auf die Entstehung der Bürgerstiftung Lüdinghausen

Prof. Dr. Norbert Lütke Entrup / Vorsitzender des Stiftungsrates

Der Rückblick auf die Entstehung der Bürgerstiftung Lüdinghausen umfasst in etwa den Zeitrahmen von zwei Jahren. Vieles lässt sich deshalb noch aus der Erinnerung skizzieren. Die vielfältigen Vorbereitungen, Diskussionen, Veranstaltungen und Pressemitteilungen erforderten aber dennoch den Blick in die Protokolle und andere  Aufzeichnungen, um den Vorlauf der Gründung der Stiftung im Zeitraffer einigermaßen exakt wiederzugeben. Die ersten Diskussionen zur Gründung einer Bürgerstiftung Lüdinghausen wurden im Seniorenbeirat der Stadt geführt. Ausführliche Informationen vermittelten Vorträge am 27.02.2012 von der Bürgerstiftung Olfen und von der Stiftungsbehörde in Münster (Herr Kemmerling) anlässlich der Februar-Versammlung des Seniorenbeirates.

Recherchen im Internet und Informationen über Bürgerstiftungen in Deutschland und insbesondere im Münsterland beflügelten die Entscheidung des Seniorenbeirates, den Versuch der Gründung einer Bürgerstiftung zu wagen. Eine gewisse Besorgnis des Gelingens wurde aber auch mehrfach durch Hinweise aus der Bevölkerung auf die vorhandene Stiftungslandschaft in Lüdinghausen mit bereits 11 Stiftungen geschürt. Trotz dieser Bedenken und Hinweise wurde an dem Ziel des Aufbaues einer Bürgerstiftung festgehalten. Um das Interesse der Bürgerschaft zu wecken, wurde in mehreren Pressebeiträgen im September/Oktober 2012 auf die Bedeutung von Bürgerstiftungen hingewiesen.  Zusätzlich fanden Gespräche mit der öffentlichen Verwaltung, Institutionen und Organisationen statt. In Gesprächen mit dem Bürgermeister konnte das starke Interesse der Kommunalverwaltung festgestellt werden. Eine Bürgereingabe zur Gründung einer Bürgerstiftung basierte dann auf einer Gesprächsvereinbarung  zwischen dem Seniorenbeirat und dem Bürgermeister am 25.06.2012 und dem nachfolgenden ausführlichen Schriftsatz vom 27.07.2012. Dieser Schriftsatz wurde im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt am 18. September 2012 diskutiert und um die Begleitung der Gründungsinitiative durch die Stadt und die politischen Parteien gebeten.

Die einstimmig gefasste Zustimmung und damit die Unterstützung des Vorhabens war ein wesentlicher Schritt zur Einleitung weiterer Aktivitäten. In weiteren Detailplanungen mit der Stadtverwaltung am 8. November  2012 wurde vereinbart, die Bürgerschaft durch persönlich gestaltete Anschreiben über die Bürgerstiftung zu informieren und zeitgleich die Presse regelmäßig über die Entwicklungsschritte zu informieren. In öffentlichen Veranstaltungen über Fragen rund um eine Bürgerstiftung sollte die Öffentlichkeit weiter sensibilisiert werden. Diese Aufgaben sollten im Wesentlichen von einer speziellen Arbeitsgruppe geleistet werden. Zum „Brainstorming über die Bürgerstiftung Lüdinghausen“ wurde dann am 27. November 2012 eingeladen. Aus dem Kreis von etwa 30 interessierten Bürgerinnen und Bürgern konnten sechs Personen – Josef Bone, Rolf Klaas, Bernhard Krämer, Christine Struve, Hermann Wissmann und Norbert Lütke Entrup –  für die Arbeitsgruppe gewonnen werden, um die Gründung der Bürgerstiftung im Sommer 2013 vorzubereiten. Bereits im Vorfeld zu diesen Entwicklungsschritten hatten in Gesprächen sowohl die Volksbank Lüdinghausen-Olfen (am 09.10.2012) und die Sparkasse Westmünsterland (am 23.10.2012) signalisiert, sich für den Aufbau des Kapitalgrundstockes der Stiftung besonders zu engagieren.

Die Arbeitsgruppe zur Gründung der Bürgerstiftung tagte erstmalig am 14.01.2013 im  Bauhaus und in der Folge zu weiteren sieben Terminen. Der vorgelegte erste Entwurf der Satzung für die Lüdinghauser Stiftung wurde mehrfach diskutiert, von der Stiftungsbehörde kritisch  gewürdigt, in weiteren Sitzungen angepasst und verabschiedet. Ein fester Zeitplan mit Informationsveranstaltungen und Informationsschriften wurde vereinbart und weitgehend eingehalten, der Termin der Gründungsveranstaltung am 04. Juli 2013 festgelegt. Hilfestellung bei allen Entwicklungsschritten leisteten die Bürgerstiftungen benachbarter Kommunen, die sich mit Rat und Tat zur Verfügung stellten. Besonders zu erwähnen sind die Bürgerstiftungen in Olfen, Dülmen und Münster, die sich durch informative Vorträge im Rahmen von Veranstaltungen engagierten und weitere Bürgerstiftungen des näheren und weiteren Umfeldes von Lüdinghausen, die durch die   Überlassung von Informationsmaterialien und  Einblicke in ihre Satzungen sowie in die Projektarbeit uns wesentlich geholfen haben. Für diese Unterstützungsarbeit ist ein besonderer Dank auszusprechen. Vorträge aus der Arbeitsgruppe bei Lüdinghauser Vereinen und Gruppierungen förderten ebenfalls das Interesse der Bevölkerung an der Bürgerstiftung und motivierten ein Reihe von Personen, sich mit der Stiftungsidee und der Mitwirkung daran anzufreunden.

Bei den Vorträgen und in den Diskussionsrunden wurde sehr häufig die Frage gestellt: Warum braucht Lüdinghausen eine Bürgerstiftung? Erlauben sie mir dazu einige Bemerkungen:

Die Gestaltung unserer Zukunft und unseres Gemeinwesens in Lüdinghausen kann man dem Staat oder der Kommune und damit politischen Parteien überlassen. Die primäre Verantwortung für unsere Stadt liegt aber bei den Bürgerinnen und Bürgern selbst. Die Wahrnehmung unserer persönlichen Verantwortung braucht aber eine gesellschaftliche Organisationsform, wie sie die Bürgerstiftung Lüdinghausen bietet. Die Stiftung zu unterstützen und in der Stiftungsarbeit mitzuwirken heißt, als Bürger in Lüdinghausen Verantwortung zu übernehmen. Viele Menschen möchten ihre Fähigkeiten, Ideen, Zeit und Geld einer sozial wertvollen Tätigkeit widmen. Sie möchten etwas bei sich vor Ort verändern, dies gemeinschaftlich tun, breite gemeinnützige Stiftungszwecke unterstützen und damit auch für spätere Generationen vorsorgen. Bürgerstiftungen definieren sich über ihre inhaltliche Arbeit. Die Aufgabe der Bürgerstiftung Lüdinghausen ist in diesem Kontext zu sehen. Sie soll Ideen für die Zukunft der Stadt und ihre Bewohner entwickeln, das Engagement der Bürgerschaft fördern, auf aktuelle Probleme gezielt reagieren, die individuellen Gestaltungskräfte stärken und diese auf einer bürgerschaftlichen Ebene zu größerer Wirksamkeit bündeln.

Soweit meine Begründung für die Bürgerstiftung Lüdinghausen.

Wie ist die Entstehung der Stiftung weiter verlaufen?

Die Planung  spezieller Informationsveranstaltungen zur Vorbereitung der Stiftungsgründung erfolgte in der Arbeitsgruppe am 18.02. und 18.03.2013. Die Faltblätter zu den Informationsveranstaltungen und der Gründungsversammlung wurden konzipiert, Referenten und Themen zu den Veranstaltungen festgelegt, das Anschreiben an alle Lüdinghauser Haushalte zur Gründung der Stiftung mit der Stadtverwaltung im Gespräch am 04. April 2013 abgestimmt.

Der von der Arbeitsgruppe entwickelte Flyer zur Vorstellung der Bürgerstiftung und den Einladungen zu den Informationsveranstaltungen und der Gründungsversammlung wurde in der zweiten Aprilhälfte 2013 erstellt und trägt  erstmals das Logo der „Bürgerstiftung Lüdinghausen, …damit Ideen Früchte tragen“, das von Bernhard Krämer im Wesentlichen entwickelt worden ist.

Ein weiteres Faltblatt mit ausführlichen Informationen über die zukünftige Bürgerstiftung Lüdinghausen sollte die Bürgerschaft nochmals über das Besondere einer Bürgerstiftung, über Zielsetzungen in Lüdinghausen, die Aufforderung zum Mitmachen und Wege zur Unterstützung informieren. Das Faltblatt wurde in einer Auflage von 13.000 Exemplaren erstellt und zusammen mit einem Brief des Bürgermeisters und des Vorsitzenden des Seniorenbeirates sowie einem Schriftsatz der Arbeitsgruppe über die Bürgerstiftung versandt. In einer „Erklärung zur Verpflichtung“ als Mitstifterin oder Mitstifter der Bürgerstiftung konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Zusicherung geben, einen finanziellen Beitrag für den notwendigen Kapitalstock zu leisten. Dieses Informationspaket wurde am 14. Mai 2013 an über 11.500 Haushalte in Lüdinghausen verteilt. Besonderer Dank gilt der Stadt für die Übernahme der Versandkosten und den Lüdinghauser Banken für die Unterstützung bei der Anfertigung der Informationsflyer.

Die abschließenden Informationsveranstaltungen für die Lüdinghauser Bürgerschaft über die Aufgaben und Ziele, juristische und steuerliche Fragen von Bürgerstiftungen fanden am 15. Mai 2013 und am 19. Juni 2013 hier im Kapitelsaal statt. Mit der Unterstützung des Vorsitzenden der Bürgerstiftung Münster, Herrn Peter Kosmider, bei der ersten und Frau Bernadette Hellmann von dem Verein „Aktive  Bürgerschaft“ in Berlin bei der zweiten Veranstaltung sowie von Rechtsanwalt Michael Richter für juristische Fragen und von Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Thomas Boeker bei beiden Veranstaltungen ist es gelungen, der Bürgerschaft eine ausreichende Informationbasis über alle Fragen zu einer Bürgerstiftung zu bieten.  Das Ziel der sicheren Vorbereitung der Gründungsversammlung am 4. Juli 2013 konnte mit diesen Veranstaltungen erreicht werden. Die Organisation der Gründungsversammlung wurde in der 8. Sitzung der Arbeitsgruppe wenige Tage vor der Gründungsversammlung im Detail festgelegt.

Nach der Annahme der Satzung durch die 65 stimmberechtigten Teilnehmer an der Gründungsversammlung fanden die Wahlen zum Stiftungsrat und zum Stiftungsvorstand statt, die beide inzwischen ihre Arbeit aufgenommen haben. Es bleibt aber dennoch die Frage, wofür sich die Bürgerstiftung Lüdinghausen besonders engagieren soll? Auch dazu einige gedankliche Anregungen:

Die Zukunft unserer Gesellschaft ist entscheidend davon abhängig, der Jugend zukunftssichere Perspektiven durch Bildung, Ausbildung und Berufschancen in adäquaten Arbeitsbereichen zu eröffnen. Bürger stiften Bildung. Dies ist auch eine Aufgabe der Bürgerstiftung Lüdinghausen. In der Bevölkerung und besonders unter den Jugendlichen selbst ist das Bewusstsein für  Verantwortung zu schärfen, die Sensibilität für Kultur und  Kunst ist zu erhöhen und die Selbsthilfe in sozialen Problemlagen ist zu stärken. Toleranz ist gegenüber anderen Überzeugungen, Weltanschauungen und Lebensformenzu verbreiten, der Dialog mit allen Bürgerinnen und Bürgern sowie anderen Völkern zu fördern. Von besonderer Bedeutung ist die Integration und Inklusion benachteiligter Menschen in allen Lebensbereichen. Auch ältere Bürgerinnen und Bürger haben besondere Erwartungen an die Gesellschaft. Viele haben nach schweren Zeiten mit großem Leid und großen Entbehrungen unser Land und unsere Stadt wieder aufgebaut und in die Völkerfamilie zurückgeführt.  Der demografische Wandel verpflichtet uns, diesen älteren und betagten Menschen den Lebensabend durch die Initiierung und Förderung ehrenamtlicher Unterstützung lebenswerter zu gestalten. Die Bürgerstiftung Lüdinghausen ist diesen skizzierten und weiteren Aufgaben gemäß den satzungsgemäßen Zwecken besonders verpflichtet. Dies zu der Frage, wofür sich die Bürgerstiftung Lüdinghausen besonders engagieren soll.

Mit der Gründungsversammlung, meine Damen und Herren, konnte die Verantwortung des Seniorenbeirates der Stadt Lüdinghausen im Rahmen der Gründung der Bürgerstiftung Lüdinghausen und auch die der eingesetzten Arbeitsgruppe abgegeben und die weitere Entwicklung  in die Hände der Stiftungsorgane, Stifterforum, Stiftungsrat und Stiftungsvorstand gelegt werden. Die schönste Anerkennung für die geleistete Arbeit ist, dass bereits wenige Wochen nach der Gründungsversammlung aus überwiegend privater Herkunft der notwendige Kapitalstock zur Anerkennung der Bürgerstiftung erreicht werden konnte. Heute verfügt die Stiftung  bereits über einen ansehnlichen Kapitalstock, der in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden muss. Gleichzeitig hat die Stiftung aber auch ihre satzungsgemäßen Aufgaben zu erfüllen. Die diesbezüglich angelaufenen Aktivitäten des Vorstandes lassen zeitnah erste Projekte erwarten.

Insgesamt ist durch die Schaffung der Bürgerstiftung Lüdinghausen ein weiterer Meilenstein für das bürgerschaftliche Engagement gesetzt worden. Wir alle sind aufgerufen, uns im Interesse des Gemeinwohles dafür einzusetzen.

Die gleich stattfindende offizielle Überreichung der Urkunde zur Anerkennung der Bürgerstiftung Lüdinghausen wird unter dem Aspekt des gesellschaftlichen Engagements nochmals ein deutliches Zeichen setzen.